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Labor-Latein verstehen

Labor-Latein verstehen

Was Blutwerte über die Gesundheit verraten

Erschöpft und etwas blass um die Nase kommt die Patientin zum Arzt. „Da nehmen wir am besten mal etwas Blut ab”, sagt der. Beim nächsten Besuch dann das Ergebnis. AST, Gamma-GT, AP und ALT – „alles in Ordnung”, lautet die frohe Botschaft. „Na prima”, denkt sich die Patientin – und versteht rein gar nichts.

Verstehen, worum es geht

Mit der unten aufgeführten Tabelle tappen Sie in Zukunft nicht mehr im Dunkeln. Dort finden Sie die gängigsten Begriffe des Labor-Lateins, was sie bedeuten, in welchem Bereich sich die Normalwerte bewegen und worauf deren Abweichungen hinweisen.

Mehr als nur Flüssigkeit

Blut ist nämlich nicht nur eine rote Körperflüssigkeit, die bei einer Verletzung aus der Wunde rinnt. Der Lebenssaft, aus dem sich mehr als 100 Laborwerte bestimmen lassen, besteht fast zur Hälfte aus festen Zellen. So drängen zum Beispiel Unmengen von scheibchenförmigen roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, durch die Gefäße. Sie beliefern den Körper mit Sauerstoff und entsorgen giftiges Kohlendioxid. Dazwischen tummeln sich die Leukozyten, runde weiße Blutkörperchen. Sie gehören zum Immunsystem und sorgen dafür, dass Krankheitserreger aufgespürt und unschädlich gemacht werden. Und dann treiben noch die Thrombozyten durchs Blut, die wichtig für die Blutgerinnung sind. Befördert werden diese Substanzen – inklusive Nährstoffen, Eiweißen und Hormonen – von der Blutflüssigkeit (Plasma).

Das Blutbild – mal klein, mal groß

Bei der Standard-Untersuchung des Blutes (kleines Blutbild) auf die jeder ab dem 35. Lebensjahr zweimal jährlich Anspruch hat, werden die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, der Hämoglobin- (Blutfarbstoff) und Hämatokritwert (der Anteil der Blutzellen am gesamten Blut) sowie die Anzahl der Blutplättchen überprüft. Das „große Blutbild” umfasst zusätzlich noch die genauere Analyse der weißen Blutkörperchen, etwa wenn der Verdacht auf eine bakterielle Entzündung besteht.

Blutsenkung prüft Immunlage

Wenn der Arzt es für nötig hält, können auch noch zusätzliche Werte wie die Leber- und Nierenenzyme kontrolliert werden. Und wenn er eine Blutsenkung für richtig hält, ist das auch kein Grund zur Besorgnis. Damit will er prüfen, ob sich das Immunsystem gegen Krankheitserreger wehrt.

Auf einen Blick: von AP bis Kreatinin – was steckt dahinter?

Abkürzung Normalwerte Wenn die Werte abweichen
AP
Alkalische Phosphatase (Leber-, Nierenenzym)
Frauen
55-147 U/l
Männer
70-175 U/l
Eine Erhöhung kann Gallenblasen- oder Knochenerkrankung (z.B. Osteoporose) bedeuten.
AST (früher GOT)
Aspartat-Aminotranserase (Enzym der Leberzellen)
Frauen
6-15 U/l
Männer
6-19 U/l
Herzinfarkt und Leberentzündung führen zu einer starken Erhöhung. Aber auch Schmerzmittel können die Ursache sein.
ALT (früher GPT)
Alanin-Aminotransferase (ein Enzym in der Leber)
Frauen
4-19 U/l
Männer
4-23 U/l
Das Enzym kommt normalerweise nur in der Leber vor. Taucht es im Blut auf, deutet das auf eine Leberentzündung hin.
BSG (oder BKG)
Blutkörperchensenkungs-
geschwindigkeit
Frauen
3-10 mm
Männer
3-8 mm
Erhöhte Werte weisen auf eine akute oder chronische Entzündung hin. Weitere Untersuchungen sind notwendig.
BZ/Glukose
zeigt en Zuckerspiegel im Blut an
Frauen
70-100 mg/dl
Männer
70-100 mg/dl
Kann auf Diabetes, Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, Hormonstörungen, Stress oder Infarkt hinweisen.
Cholesterin
Fettähnlicher Stoff, wichtiger Bestandteil der Zellwände
Frauen
3-10 mm
Männer
3-8 mm
Erhöhte Werte weisen auf eine akute oder chronische Entzündung hin. Weitere Untersuchungen sind notwendig.
Eisen
Spurenelement, wichtig für den Sauerstofftransport
Frauen
4,1-29 mmol/l
Männer
7,2-30 mmol/l
Wegen der Monatsblutung haben viele Frauen niedrigere Werte. Eine weitere Untersuchung wird erforderlich.
Gamma-GT (GGT)
Gamma-Glutamyltransferase (Leberenzym)
Frauen
4-18 U/l
Männer
6-28 U/l
Bei höheren Werten: Leber oder Gallen-blase erkrankt. Werte steigen auch nach einem Herzinfarkt an.
Harnsäure
Stoffwechselprodukt, das von den Nieren ausgeschieden wird
Frauen
2,3-6,1 mmol/l
Männer
3,6-8,2 mmol/l
Ein höherer Harnsäurewert gilt als Hinweis auf Gichterkrankungen.
Harnstoff
Endprodukt des Eiweißstoffwechsels in der Leber
Frauen
17-43 mg/dl
Männer
17-43 mg/dl
Bei Nierenschäden, Infektionen oder Tumoren ist der Wert erhöht, aber auch bei Fieber und Verbrennungen.
Kalium
Mineralstoff, wichtig für die Gesundheit des Herzens
Frauen
3,6-5,0 mmol/l
Männer
3,6-5,0 mmol/l
Werte unterhalb des Normalbereichs: Mit dem Herzen könnte etwas nicht in Ordnung sein.
Kreatinin
Produkt des Muskelstoff- wechsels
Frauen
0,8-1,5mg/dl
Männer
0,8-1,5mg/dl
Verdacht auf Störung der Nierenfunktion. Zusätzlich angeraten: eine „Kreatinin-Clearance”. Dafür wird eine Tagesmenge Urin gesammelt.

Quelle: Burda Senator Verlag GmbH